polen: wodka und beten

5 01 2010


Über Silvester war ich ein Paar Tage in Polen, genauer in der Stadt Poznań auf halbem Weg von Berlin nach Warschau. Es gab gute und schlechte Momente, die schlechten hab ich inzwischen fast vergessen und von den Highlights der Tage denke ich, schreib ich mal ein bisschen.

28. Dezember
Ich gehe mittags mit nem fetten Schnupfen und ekligem Husten in Schwerin zum Arzt. Er verschreibt mir 3 Medikamente mit dem Kommentar „In Posen sind viele Junge Leute, da hat man Spaß, trinkt ab und zu mal nen Wodka… viel Spaß, hau rein.“
Also fahre ich los und verbrauche auf der Bahnfahrt gefühlte zwei Packungen Taschentücher.
29. Dezember
Um halb sieben morgens treffe ich wie verabredet am Bahnhof Frankfurt/Oder auf eine achtköpfige Gruppe aus dem Saarland. Der Kraftwagen ist kein Bus, sondern eher ein Auto mit neun Sitzen. Dementsprechend muss ich für zwei Stunden beide Rucksäcke zwischen und auf die Beine nehmen und mich hinten zu dritt quetschen. Zum Glück ist Schlafen eine Gelegenheit, davon nicht so viel zu merken beziehungsweise die kuschligen Zustände zum Vorteil zu nehmen.
30. Dezember
Wir, also Erik, Tobi, Torsten und ich, wachen in einem Haus mitten im poznańer Vorort auf. Draußen liegt Schnee. Wir bekommen Frühstück von einer alten, polnischen, sehr herzlichen Frau – ohne Deutsch- oder Englischkenntnisse. Wir vier ohne Polnisch. Sehr interessant, wie sich dort eine Kommunikation entwickelt zwischen Zeigen, Pantomime, einzelnen Brocken Sprache, polnisch-deutsch-Wörterbüchern und Gestikulation. Die Frau sprach immer mit uns polnisch. Nun weis ich wenigstens, was abgesehen von bitte, danke, ja, nein, hallo und tschüss Wasser, Tee, Brot und Butter heißt. Nach Essen kann ich nun also im Notfall fragen.
31. Dezember
Gebet verbindet: Während und nach dem Mittagsgebet traf ich auf unglaublich viele bekannte Gesichter. Das ist Taizé. Immer wieder „oha, den kenn ich doch“. Die Blicke sind auf jeden Fall echt super. „Du HIER?“
Wer‘s eventuell mitbekommen hat, das ist ja Silvester gewesen. Was macht man denn Silvester in Poznań? An dieser Stelle die Erklärung.
Jedes mal zum Jahreswechsel werden die Brüder von Taizé und 30.000 bis 40.000 Jugendliche in eine europäische Großstadt eingeladen, um den „Pilgerweg des Vertrauens“ zu bestreiten. Es wird immer so ungefähr fünf Tage miteinander vor allem gegessen, gebetet bzw. gesungen erzählt und kennengelernt. Aufgeteilt auf viele Gemeinden der Stadt wird halt in Gastfamilien geschlafen, Gebet und Essen findet meist in großen Messehallen statt. Hier der Vorteil in Posen. Das Messegelände hatte freies WLAN überall, yeah. #internetsüchtig
Am Silvesterabend findet erst eine Andacht und dann das „Fest der Nationen“ statt. Es ist oft so, wie es sich anhört. Mehr oder weniger langweilig. Stimmung war kurz nach zwölf und gegen zwei Uhr, als die Deutschen, also wir, also die Saarbrücker und ich, an der Reihe waren, irgendetwas vorzuführen oder wie auch immer unser Land zu demonstrieren. Was so ein bisschen peinliches Dancen und Singen für Stimmung verbreiten kann. Unglaublich. Nach uns kamen die Österreicher und dann die Niederländer, die die Stimmung am Leben erhalten haben. Dummerweise nur bis kurz danach gebeten wurde, die Räumlichkeiten zu verlassen und nach Hause zu gehen. So was dummes. Wieso mussten diese (im Prinzip süßen) Polinnen das ganze so engstirnig sehen? Wieso hätte man nicht, wie in anderen Gemeinden, die Party mit normaler Partymucke weiterführen können?
Nein, wir wurden nach Hause geschickt und mussten dann halt auf dem Weg dahin und dort noch ein bisschen Frustbier trinken.
01. Januar
Ein ordentlicher Abend wird aber einen Tag später nachgeholt. Der letzte Abend sollte kein Reinfall werden. Auf Empfehlung von Roland gehen Erik, Tobi und ich in die Kneipe Proletaryat, um dort das Bier Fortuna zu trinken. Proletaryat ist eine richtig schöne Kommunistenkneipe: Marx, Lenin, Revolution und Rot prägen die Dekoration. Zu geil. Dummerweise haben sie kein Fortuna, sondern nur so was ähnliches. Der Abend ist geprägt von Bier, einem alten, besoffenen, polnisch-nationalistischen Polen, zwei poznańer Studenten und viel Lachen! Mit dem Taxi für wenig Geld nach Hause und dort mit der Gastmutter lustige Bilder machen. Was ein Fest.
02. Januar
Haha, ich hab ein bisschen länger überlegt, was ich für diesen, den letzten Tag schreib. Eigentlich ist er in seiner Problemlosigkeit sehr entspannt. Früh geweckt werden, Tee trinken, mit Ania (Familienangehörige der Gastmutter, weis nicht ob Nichte oder Tochter oder Enkelin) Englisch sprechen, letzte Andacht in der Gemeinde skippen, weiterschlafen, frühstücken, duschen, Sachen packen, in die Innenstadt fahren, Essen gehen, flüssige Souvenirs kaufen, losfahren, im Auto mit eingequetschtem Bein und Wadenkrämpfen kämpfen, verabschieden, in den Zug setzen, umsteigen, ankommen.

Ja, es hat oft Spaß gemacht, auch wenn es anfangs etwas schwierig war, sich mit manchen Sachen abzufinden, Ruhe zu finden in den Gebeten. Eine große Hilfe waren aber die sehr netten Saarbrücker, die mich schnell in ihre Gruppe integriert haben. Zumindest hab ich das so empfunden! Vielen Dank an Roland, Carsten, Anne, Carmen, Erik, Tobi, Torsten und natürlich den Robert!

gabriel

PS: Das Video enthält das meiste, was ich aufgenommen habe. Mehr war nicht drin. Es ist eher weniger spektakulär, ich gebe es zu. Sorry für mein Gelaber, wollt‘s mal ausprobieren.
Ich finde, es ähnelt ein bisschen an das Schottland-Video von Mr. Ridder. Nur kürzer…

PPS: Zum Titel: ich hab natürlich nichts getrunken, das waren immer nur die andern ;-)

poznań from Gabriel B… on Vimeo.

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